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Beyond Business Cast | Florian Gschwandtner über Runtastic-Exit, Tractive und Angel Investing
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Beyond Business Cast | Florian Gschwandtner über Runtastic-Exit, Tractive und Angel Investing

Christian Wolf & Eric Demuth

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Kurz gesagt

„Florian Gschwandtner reflektiert den Werdegang von Runtastic und Tractive, analysiert bürokratische Hürden am Standort Österreich und begründet seinen Rückzug aus aktiven Early-Stage-Engagements zugunsten passiver Vermögensanlage.“

Runtastic pivotierte 2009 binnen vier Wochen von solarbetriebenen Streckenchips zur reinen App und erreichte durch Zero-Budget-Lokalisierung 140.000 Downloads täglich.

Nach 18 Monaten war Runtastic cashflow-positiv und erzielte im dritten Jahr 3,8 Mio. Euro EBIT bei 12 Mio. Euro Umsatz, bevor 2015 der Adidas-Exit für 220 Mio. Euro folgte.

Bürokratische Hürden wie stundenlange Notartermine veranlassten US-Investoren, künftige Investments in Österreich abzulehnen, weshalb Standortreformen gefordert werden.

Frühe Angel- und VC-Investments lieferten oft schwache Renditen bei hohem Konfliktaufwand, weshalb Gschwandtner nun breit gestreute ETFs, Krypto und Immobilien priorisiert.

Entscheidungskern

Schneller Pivot und Nutzer-Lokalisierung trieben Runtastics organisches Wachstum

Statt der ursprünglich zu 80 % geplanten festen Solarstationen mit Tracking-Chips fokussierten die Gründer nach vier Wochen vollständig auf die Smartphone-App. Durch kostenlose Übersetzungshilfe der eigenen Community via Excel-Dateien lag die App binnen drei Wochen in fünf Sprachen vor und erhielt weltweite App-Store-Features.

Adidas-Übernahme für 220 Mio. Euro als taktischer Schachzug im Sportmarkt

Ausgelöst durch den Kauf von MyFitnessPal durch Under Armour für 485 Mio. US-Dollar verhandelte Runtastic über M&A-Berater Allen & Company mehrere Angebote. Trotz anfänglich niedrigstem Gebot erhielt Adidas den Zuschlag, da der Mehrerlös durch Laufkunden den E-Commerce-Lifetime-Value des Konzerns massiv steigerte.

Bürokratie und Notariatspflichten belasten das österreichische Startup-Ökosystem

Internationale Investoren von Tractive schlossen nach dem Exit an Bending Spoons weitere Deals in Österreich wegen bürokratischer Reibungsverluste aus. Als Hauptärgernis werden mehrstündige, kostspielige Notarsitzungen zum wörtlichen Verlesen hunderter Vertragsseiten genannt, die digitale Standards blockieren.

Ernüchterung im Angel-Investing führt zu passiver ETF- und Asset-Allokation

Über 40 Direktbeteiligungen banden Florian Gschwandtner stark als Konfliktlöser bei Gründerstreits, während VC-Fonds nach 10 bis 15 Jahren Laufzeit oft hinter marktüblichen Renditen zurückblieben. Als Konsequenz meidet er neue Seed-Pitches und legt den Großteil seines Kapitals in globalen ETFs, Krypto und Sachwerten an.

Direkt ins Video

00:00

Runtastics Entstehung und Pivot zur GPS-Lauf-App

Florian Gschwandtner schildert den Start 2009 mit dem iPhone 3G, den schnellen Strategiewechsel zur reinen App und das Erreichen von 140.000 organischen Downloads pro Tag.

04:48

Verhandlung des 220-Mio.-Euro-Exits an Adidas

Wie die Akquisition von MyFitnessPal durch Under Armour den Deal antrieb, warum das erste Adidas-Angebot abgelehnt wurde und welche Rolle Allen & Company spielte.

09:11

Gründung von Tractive und Verkauf an Bending Spoons

Entstehung des GPS-Trackers für Haustiere als Spin-off neben Runtastic, Skalierung über das Vorauszahlungsmodell und der Exit an Bending Spoons.

15:51

Standortnachteile und Bürokratie in Österreich

Kritik an veralteten Beurkundungspflichten, Vorleseprozessen bei Notaren und mangelnder finanzieller Bildung in der DACH-Region.

23:28

Lernkurve als Business Angel und VC-Kritik

Probleme mit Founder Clashes in über 40 Beteiligungen, unzureichende Renditen vieler VC-Fonds im Vergleich zu Opportunitätskosten und Rückzug aus Seed-Runden.

29:49

Persönliche Vermögensstruktur und Lebensbalance

Allokation in MSCI World, Krypto und Immobilien sowie der Einfluss seiner bäuerlichen Herkunft auf den Umgang mit Wohlstand und Konsum.

Nächste Schritte

Lokalisierung frühzeitig über die eigene Nutzerschaft statt über teure Agenturen umsetzen.

Hintergrund: Runtastic übersetzte die App über direkte Nutzeranfragen per Excel-Tabelle kostenfrei in fünf Sprachen und sicherte sich so globale App-Store-Features.

Hardware-Geschäftsmodelle mit jährlichen oder mehrjährigen Subscriptions im Voraus finanzieren.

Hintergrund: Tractive nutzte im Voraus bezahlte Abonnements, um den hohen Working-Capital-Bedarf der Geräteproduktion ohne Fremdkapital zu decken.

Angel-Investments auf Segmente mit eigener Hebelwirkung oder späte Runden beschränken.

Hintergrund: Unstrukturierte Streuung im Frühphasenbereich bindet überproportional Managementzeit für Krisenbewältigung bei statistisch geringer Überrendite.

Glossar & wichtige Begriffe

Bootstrapping

Aufbau und Skalierung eines Unternehmens aus dem operativen Cashflow und eigenen Mitteln ohne externes Risikokapital.

Earn-out

Vertragliche Klausel bei Unternehmensübernahmen, bei der ein Teil des Kaufpreises an das Erreichen künftiger operativer Ziele und den Verbleib der Gründer gekoppelt ist.

Total Expense Ratio (TER)

Kennzahl für die jährlichen Gesamtkosten eines Investmentfonds oder ETFs im Verhältnis zum verwalteten Anlagevermögen.

Hedonistische Tretmühle

Psychologisches Konzept, wonach Menschen nach Erreichen höherer materieller Ziele rasch zu ihrem ursprünglichen Glücksniveau zurückkehren und mehr Konsum verlangen.

Einordnung

  • •Die geäußerten Einschätzungen zu VC-Renditen und Bürokratiehürden basieren auf individuellen Erfahrungen der Gründer im DACH-Raum und sind keine allgemeingültigen Rechts- oder Finanzberatungen.
  • •Genaue Transaktionsvolumina zum Exit von Tractive an Bending Spoons wurden im Gespräch nicht beziffert, sondern auf behördliche Prospekte verwiesen.

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